2009-1007_Glaubensüberzeugungen PDF Drucken E-Mail
GLAUBENSÜBERZEUGUNGEN

 

NUMMER 15
Die Taufe – ein bleibendes Symbol
 
Und für mich eine ganz persönliche Erfahrung.
 
 
Ein Symbol ist ein Gedanke oder ein Gegenstand, der etwas anderes repräsentiert. Wenn es ein geistliches Symbol ist, hilft es uns, tiefe und beständige Bedeutung in Erfahrungen zu finden, die sonst ganz gewöhnlich wären. Symbole haben auch eine dynamische Dimension. Das bedeutet, sie können in verschiedenen Lebensabschnitten ganz unterschiedliche Gedanken in uns hervorrufen und uns damit unterschiedliche Sichtweisen auf die gleiche Erfahrung, die gleiche Wahrheit ermöglichen. Deshalb sind Symbole auch etwas Beständiges, sie können auf verschiedene Art und Weise erklärt werden und bleiben dennoch gestern, heute und morgen gleich.

Vor diesem Hintergrund möchte ich meine persönliche Erfahrung mit dem Symbol der Taufe bezeugen. Kurz und bündig ausgedrückt ist die Taufe „ein Sinnbild für unsere Gemeinschaft mit Christus, für die Vergebung unserer Sünden und für den Empfang des Heiligen Geistes“ (Was Adventisten glauben, Advent Verlag Lüneburg, 1997, S. 267.) Sie wird im Namen und in der Autorität des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, durchgeführt (Matthäus 28,19.20). Das Wort selbst bedeutet im Wasser untertauchen, die Handlung hat eine starke symbolische Bedeutung.

Ich finde mindestens vier Bedeutungsaspekte für mein persönliches Leben im Symbol der Taufe:

1. Ein Neubeginn
Für mich war die Taufe der Beginn einer neuen Verbindung mit Gott. Sie war die äußerliche Bekundung für eine Entscheidung, die ich traf, nämlich dass ich ganz bewusst die Zugehörigkeit zu einem neuen Menschen einging. Aber es war auch ein natürlicher Schritt, der sich aus dem Einfluss ergab, den Gott auf mein Herz ausübte. Ich erinnere mich daran, dass ich zu Gott sagte: „Sieh mal, ich habe jetzt eine ganze Weile sehr tiefe Gespräche mit dir geführt; jetzt ist es Zeit, einen Schritt weiter zu gehen. Ich schäme mich deiner nicht. Ich bin bereit, meine Beziehung zu dir öffentlich zu machen!“

Damals hatte ich nicht so sehr den Eindruck, dass die Taufe eine lebenslange Beziehung darstellt, sondern vielmehr der Beginn einer verpflichtenden Beziehung ist. Sie hatte eine ähnliche Bedeutung wie eine Hochzeit, die auch am Beginn eines bedeutenden Lebensabschnitts steht.

Manche Menschen können sagen: „Herr, ich werde dir den Rest meines Lebens treu sein!“ Das ist sehr schön und empfehlenswert. Aber als ich mich taufen ließ, konnte ich solch eine Aussage nicht machen. Ich hatte sogar Angst, dass ich Gott enttäuschen würde. Aber ich dachte damals, wenn ich mich ganz auf die Tatsache konzentriere, dass die Taufe ein Neubeginn ist, dann kann ich jeden neuen Tag auf mich zukommen lassen. Dieser Ansatz hatte den Vorteil, dass er mich im Hinblick darauf, wie sich mein zukünftiges Leben mit Gott gestalten würde, nicht unnötig unter Druck setzte. Stattdessen konnte ich mich einfach auf einen neuen Anfang mit Gott konzentrieren.

Jesus sagte zu Nikodemus: „Nur wenn du durch Wasser und Geist wiedergeboren wirst, kannst du Gottes Herrschaft wirklich erfahren“ (vergleiche Johannes 3,3–8). Vor dem Hintergrund dieser Worte war es mir, als würde Gott zu mir sagen: „Gifford, unsere Beziehung dauert jetzt schon eine ganze Weile; jetzt ist es an der Zeit, klar Stellung zu beziehen; es ist der nächste logische Schritt.“

2. Eine geistliche Erneuerung
Die Taufe ist ein Symbol für geistliche Erneuerung und Heilung. Als ich getauft wurde, war ich sehr offen für eine geistliche Erfahrung, ja, ich sehnte mich danach. Ich wollte eine gewisse Leere in meinem Leben gefüllt haben. Römer 6,1–4 vergleicht die Taufe mit dem Sterben, Begraben werden und der Auferstehung des Gläubigen zu neuem Leben. Dieser Text darf in seiner Bedeutung nicht geschmälert werden. Für Paulus handelt es sich nicht um ein Ereignis, das ein für allemal geschieht, als wäre man in einem Augenblick geistlich fertig entwickelt. Denn obwohl die Taufe tatsächlich ein Ereignis ist, ist sie doch auch der Ausgangspunkt eines Prozesses, nämlich eines andauernden, Leben verändernden Glaubensweges auf einer neuen, höheren Ebene.
 
Die Taufe

Durch die Taufe bekennen wir unseren Glauben an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi und geben Zeugnis, dass wir für die Sünde tot sind und entschlossen, ein neues Leben zu führen. Damit anerkennen wir Christus als Herrn und Erlöser, werden seinem Volk hinzugefügt und als Glieder seiner Gemeinde angenommen. Die Taufe ist ein Sinnbild für unsere Gemeinschaft mit Christus, für die Vergebung unserer Sünden und für den Empfang des Heiligen Geistes. Sie ist eine Bestätigung des Glaubens an Jesus Christus sowie ein Zeichen der Reue über die Sünde und wird vollzogen durch Untertauchen im Wasser. Ihr geht Unterweisung in der Heiligen Schrift und die Annahme ihrer Lehren voraus. (Römer 6,1-6; Kolosser 2,12.13; Apostelgeschichte 16,30-33; 22,16; 2,38; Matthäus 28,19.20)
In dieser Erfahrung erlebt der Gläubige Gott auf wunderbare Weise durch das Symbol. Das ist ein Geheimnis. Ich erfuhr, welch eine gewaltige Bedeutung es hat, zu sterben, begraben zu werden und zu neuem Leben auferweckt zu werden. Gott machte mir diesen reinigenden Neubeginn eindrücklich bewusst. Dann stieg ich mit einer neuen Erwartung für mein Leben aus dem Wasser. Die Taufe ist eine umwandelnde Erfahrung, in der das Herz sich für die übernatürliche Gegenwart Gottes öffnet, eine Gegenwart, die neue Möglichkeiten im Leben erwartet und bewirkt. Sie markiert und feiert den Wechsel von der Knechtschaft der Sünde zur Freiheit in Christus. Sie zeigt die Geburt eines neuen Herzens an, das empfänglich ist für neue Ansichten, neue Werte, einen neuen Geschmack, neue Wünsche und neue Möglichkeiten
 
3. Eine neue Zugehörigkeit
Außerdem ist die Taufe ein Symbol dafür, dass ich zu einer neuen Familie, einer neuen Gemeinschaft gehöre, die die Bibel den Leib Christi, die Gemeinde, nennt (Epheser 3,6; 1. Korinther 12,12.13). Dass Menschen aus dem persönlichen Umfeld als Zeugen bei der Taufe anwesend sind, verleiht der Tauferfahrung Vertrautheit und gemeinsame Freude. Ich fand die Bereitschaft meiner Gemeindefamilie, mich auf meinem Glaubensweg zu begleiten, ermutigend und stärkend.

Als also meine Mutter, die mich geistlich gefördert hat, aufstand, als ihre vier Kinder ins Taufbecken stiegen (ich wurde mich mit drei meiner Geschwister getauft), brachte sie zusammen mit der versammelten Gemeinde zum Ausdruck: „Ihr seid nicht allein. Ihr seid etwas Besonderes. Wir stehen hinter euch.“

Das ist die Gemeinschaft, der sich der Täufling durch die Taufe anschließt.

4. Die Erfahrung neuer Gaben 
Und schließlich ist die Taufe Symbol einer Salbung. Als ich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wurde, erhielt ich eine neue, autoritative Befähigung, Menschen zu dienen (vergleiche Matthäus 3,16; Apostelgeschichte 19,1-5). Im Namen des Heiligen Geistes wurde ich gesalbt und meine natürlichen Fähigkeiten wurden mit mir getauft.

Das war eine gute Nachricht für mich. Es hieß, dass Gott mich nicht nur wollte, sondern mich auch brauchte und mir vertraute. Ich hatte bekommen, was alle bekommen hatten (Epheser 4,7–10). Die Herausforderung der Ortsgemeinde besteht darin, Neubekehrten zu helfen, dies als Teil ihrer Tauftradition zu sehen, insbesondere zu einer Zeit in ihrer geistlichen Erfahrung, wenn sie noch ganz begeistert über die umwandelnde Kraft Gottes in ihrem Leben sind. Ich fand es sehr ermutigend und förderlich zu sehen, wie Gott uns übernatürliche, geistliche Gaben gibt, um den Leib Christi damit aufzubauen (eine Liste der Gaben siehe in 1. Korinther 12,27–30).

Damals entfaltete ich mich als neuer Gläubiger mit meinen Gaben und Fähigkeiten besonders im Bereich der Musik und arbeitete dabei mit Leuten aus anderen Bereichen der Gemeinde zusammen, um sie in ihrem zahlenmäßigen, geistlichen und emotionalen Wachstum zu unterstützen. Dabei war der Ort meines Dienstes nicht auf die Gemeindefamilie beschränkt, sondern erstreckte sich auch auf die weitere Umgebung. Und dieser beständige Dienst sowohl für die Gemeinde als auch für Menschen außerhalb der Gemeinde hat mir geholfen, über die Jahre hinweg glaubwürdig zu bleiben.

Die Taufe war für mich also der Neubeginn eines Lebens mit einem persönlichen, zuverlässigen, grenzenlosen Gott; eine geistliche Erneuerung meines Lebens mit all seiner Komplexität und seinen Widersprüchen; ein neues Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft von Menschen, die von Verschiedenartigkeit und Vielfältigkeit geprägt ist, und eine Neuausstattung mit der Kraft des Heiligen Geistes, die durch geistliche Gaben und Kommunikation zum Ausdruck kam. Meine Tauferfahrung hat mich auf einen neuen, abenteuerlichen Weg mit Gott gebracht
 
Gifford Rhamie ist Dozent für Neues Testament und Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät des Newbold College und einer der Leiter des Diversity Centre (Zentrum für Vielfalt).


Startseite | Über uns | Archives | Kontakt | AR Online

Sitemap.   Maintained by AIIAS © 2009.